Aufstände in Frankreich lassen deutsche Bürger kalt

In Frankreich herrscht seit Wochen ein Ausnahmezustand, den hier in Deutschland wahrscheinlich nur wenige nachvollziehen können. Auf den Straßen ist die Hölle los, Barrikaden brennen und immer wieder liefern sich Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei, die hart durchgreift.

An immer mehr Tankstellen bilden sich lange Schlangen, weil nicht mehr alle mit Benzin beliefert werden. Auch auf den Flughäfen scheint alles still zu stehen. Grund für das ganze Chaos ist die geplante Rentenreform von Präsident Nicolas Sarkozy. Es geht um lächerliche zwei Jahre.

Noch beträgt das Eintrittsalter in die Rente in Frankreich 60 Jahren, Sarkozy möchte dies nun aber auf 62 anheben. Damit stößt er auf wenig Gegenliebe bei der Bevölkerung. Der Senat hingegen ließ das Gesetz passieren, damit steht der Erhöhung eigentlich nichts mehr im Weg.

Die Gegner geben sich allerdings auch noch nicht geschlagen. Immer wieder rufen die Gewerkschaften zu Demonstrationen auf. Noch stehen 69% der französischen Bevölkerung hinter den Demonstranten, doch wie lange das noch dauern wird, weiß keiner. Die Situation scheint sehr verfahren zu sein. Sarkozy verliert immer mehr Anhänger.

Bei vielen Deutschen werden diese Nachrichten wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln hervorrufen können. In Deutschland wurde das Rentenalter schließlich systematisch immer wieder weiter nach oben geschoben. Noch sind wir bei dem Eintrittsalter von 65 Jahren. Doch auch das wird sich ja in den nächsten Jahren wieder ändern. Schließlich will man ab 2012 das Rentenalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre erhöhen.

Als man diese Nachricht in Deutschland verlauten ließ, war die Empörung zwar auch groß, aber zu solch radikalen Demonstrationen, wie sie zurzeit in Frankreich stattfinden, kam es in Deutschland nicht. Wahrscheinlich wird das auch so schnell nicht passieren. Die Franzosen sind eben doch ein wenig emotionaler als die Deutschen.

Was man in Deutschland aber vielleicht auch aus der Vergangenheit gelernt hat, gerade von der letzten, aber auch von dieser Regierung, ist, dass nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Die eine Regierung veranlasst dieses Gesetz, die nächste streicht es wieder. Politik ist ein Spiel, in dem die Bevölkerung grundsätzlich den Kürzeren zieht.

Natürlich kann man auf die Straße gehen, seinen Unmut kundtun. Man kann die Regierung stürzen und eine andere wählen, die vielleicht bei dieser einen Sache genau das vertritt was man auch will, aber schon die nächste Entscheidung könnte gegen den Willen der Bevölkerung fallen.

Es ist ein schmaler Grat zwischen Demokratie und Diktatur. Es wird nie eine Regierung geben, die die Bevölkerung zu 100 % akzeptieren wird, nicht mal zu 90%. Man muss nur wissen mit welchem kleineren Übel man selber besser leben kann.